
17.02.2026
Eigentümer- und Verlegerwechsel bei Klinkhardt & Biermann:
Nicolas Marchioni und Dr. Peter Scholz übernehmen den Verlag
Köln/München – Ab sofort wird der renommierte Kunstverlag Klinkhardt & Biermann von den neuen Eigentümern bzw. Verlegern Nicolas Marchioni und Dr. Peter Scholz geführt. Sie übernehmen den Verlag von Annette von Altenbockum.
Der aus Paris stammende Marchioni, welcher als Eigentümer, kaufmännischer Geschäftsführer und Vertriebsleiter Klinkhardt & Biermann zukünftig von Köln aus lenken wird, zum Wechsel: „Es war eine außergewöhnlich harmonische Übergabe, für die ich Annette von Altenbockum sehr herzlich danken möchte. Ich habe die größte Hochachtung dafür, wie sie als Ein-Frau-Unternehmen, unterstützt von einigen freien Mitarbeitenden, diesen zuvor ruhenden Verlag zu einem Juwel geformt hat.“
Scholz wird als Verleger, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Programmleiter vom oberbayerischen Inzell (Region München/Salzburg/Innsbruck) aus operieren. Er sagt: „Ich war schon länger ein Fan von KliBi. Die Historie dieses Verlags ist einfach beeindruckend. Ihn nun selbst führen und weiterentwickeln zu dürfen, ist eine wunderbare Herausforderung. Schaut man auf die Liste der bisherigen Autoren, fühlt es sich an wie Standing on the shoulders of giants.“
Von Altenbockum: „Da ich aus persönlichen Gründen die Verlagsarbeit nicht mehr weiterführen kann wie bisher, gebe ich nun den Staffelstab an die nächste Generation weiter. Ich bin überaus froh, dass sich mit dem erfahrenen Verleger Nicolas Marchioni (Kölner Verlagsgesellschaft) und dem international vernetzten Kunsthistoriker Dr. Peter Scholz zwei Persönlichkeiten gefunden haben, in deren Hände ich KliBi besten Gewissens geben kann.“
Weiterhin werden sich die Publikationen von Klinkhardt & Biermann auf dem Fundament hervorragender Forschung in verständlicher Sprache an eine breite Öffentlichkeit wenden. Bestehende Reihen werden fortgesetzt, jedoch treten neue hinzu. So soll etwa ein Blick hinter die Kulissen des gegenwärtigen Kulturbetriebs und auf dessen Protagonisten ermöglicht werden. Zudem glauben die Verleger an die gesellschaftliche Relevanz von Kunst und Kultur, wobei KliBi einen Beitrag jenseits festgefahrener ideologischer Bubbles leisten soll. Und ferner möchte das deutsch-französische Verlegerteam Klinkhardt & Biermann zukünftig noch internationaler positionieren.
Auch im Übergangsjahr 2026 bietet KliBi wieder einige hochkarätige Publikationen: Beispielsweise erscheinen im Frühjahr mit England für Kunstgenießer ein unverzichtbarer Reiseführer für Anhänger der englischen Kultur und mit Der Garten von Ada und Emil Nolde ein auf neuester Forschung basierendes Standardwerk zur Bedeutung des Gartens für diesen prominenten deutschen Maler. Das Herbstprogramm schließlich wartet u. a. mit einem lang ersehnten Werkverzeichnis zur Hinterglasmalerei von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky auf.
Zum Verlag
Der 1907 in Leipzig gegründete und 1933 nach Berlin übersiedelte Verlag erregte von Beginn an Aufsehen. Einerseits mit seiner Reihe Junge Kunst, die sich den damals zeitgenössischen Kunstschaffenden wie Max Pechstein, Pablo Picasso, Emil Nolde, Paula Modersohn-Becker, Otto Dix, Oskar Kokoschka oder Paul Klee widmete. Zu den Autoren über die europäischen Avantgarden zählten etwa die höchstbedeutenden Julius Meier-Gräfe, Will Grohmann, Max Osborn, Gustav Hartlaub etc. Exemplare solcher Publikationen wurden 1937 in der Aktion „Entartete Kunst“ aus Museen beschlagnahmt und vernichtet. Eine ganze Reihe von Autoren wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und vertrieben.
Andererseits erschienen wegweisende Monografien, teilweise bis heute Standardwerke, auf dem Gebiet der älteren Künste in den Bereichen Malerei, Skulptur, Kunstgewerbe, Druckgrafik und Architektur. Bahnbrechend (und noch heute rezipiert) waren Zeitschriften wie die Monatshefte für Kunstwissenschaft und Cicerone, ebenso Reihen wie Meister der Graphik oder Stätten der Kultur. Auch hier liest sich der Kreis der Autoren wie das Who is who der Kunstgeschichte: Rudolf Wittkower, Ernst Steinmann, Max J. Friedländer, Wilhelm Hausenstein, Wilhelm von Bode, Julius von Schlosser, Paul Schubring, Max Geisberg, August Grisebach, Max Sauerlandt, Kurt Badt, August Schmarsow, Bruno Taut u.v.m.
Die Berliner Verlagsräume wurden 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verlagstätigkeit nach Braunschweig verlegt und der Fokus auf Standardwerke im Bereich Kunstgewerbe gelegt. Ab 1980 wechselte Klinkhardt & Biermann mehrfach den Eigentümer bevor er 2010 durch Annette von Altenbockum erworben und in der Folge von einem ruhenden zu einem florierenden Verlag geformt wurde. Hierbei wurde u.a. auch die Reihe Junge Kunst wieder aufgenommen.
Zu den Verlegern
Nicolas Marchioni studierte Romanistik, Anglistik und Germanistik sowie Betriebswirtschaftslehre in Paris. Nach beruflichen Stationen in Grenoble, Zürich und Düsseldorf gründete er zusammen mit seiner Frau Nathalie die Kölner Verlagsgesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, traditionsreiche Verlage zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Dr. Peter Scholz studierte Kunstgeschichte, Anglistik, Italienische Philologie und Vorderasiatische Archäologie in München, Birmingham sowie Berlin und wurde 2013 in Zürich promoviert. Nach beruflichen Stationen in Florenz, Zürich, Berlin und Stuttgart war er von 2017 bis 2022 Sammlungsleiter am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und von 2022 bis 2024 bei der Klassik Stiftung Weimar. Er hatte ferner Lehraufträge in Zürich, Konstanz und Innsbruck inne. Neben einer familiären Pflegetätigkeit gründete er 2025 das Unternehmen scholz and art. Er realisierte zahlreiche Ausstellungen, Tagungen, Vorträge und Publikationen zur deutschen, italienischen, niederländischen und englischen Kunst unterschiedlicher Epochen.
Annette von Altenbockum war nach ihrer Ausbildung als Buchhändlerin und dem Studium der Germanistik in verschiedenen Buch- und Zeitschriftenverlagen tätig. 2010 kaufte sie den Traditionsverlag Klinkhardt & Biermann, dessen Verlagstätigkeiten zu dieser Zeit ruhten. In den vergangenen 15 Jahren baute sie ein neues, lebendiges Programm auf und wurde für ihre Bücher und Verlagsarbeit u.a. 2021 mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.